Hauptversammlung der Handelskammer beider Basel: Seilschaften statt Hellebarden

Die Welt wird unsicherer – und starke Allianzen zum entscheidenden Erfolgsfaktor: Zum 150-Jahr-Jubiläum stellt die Handelskammer beider Basel Sicherheit und Allianzen ins Zentrum ihrer Generalversammlung mit rund 900 Gästen aus Wirtschaft und Politik. Die Bedeutung von Sicherheit für Stabilität und Fortschritt unterstrich auch Gastredner Bundesrat Martin Pfister.

Über 900 Gäste aus Wirtschaft und Politik feierten mit der Handelskammer beider Basel und Gastredner Bundesrat Martin Pfister 150 Jahre Impulse für eine starke Region. Copyright: HKBB

«Wir bewegen uns in einem politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld, das hohen Bergen erstaunlich ähnelt: unübersichtlich, instabil, riskant», betonte Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter an der Jubiläums-Generalversammlung der Handelskammer beider Basel vor rund 900 Gästen. Energie- und Rohstoffpreise explodieren, Lieferketten bröckeln, Margen erodieren – entscheidend ist für die Wirtschaft jetzt vor allem eines: Sicherheit.

«Wir brauchen keine politischen Vorstösse, die die Unsicherheit der Menschen ausnutzen, Begrenzung statt Offenheit propagieren und unseren innenpolitischen Handlungsspielraum massiv einschränken.» Anstelle von Ablehnung, Furcht und Abschottung seien vielmehr starke Allianzen gefordert, so Schneider-Schneiter: «Statt Hellebarden brauchen wir Seilschaften – mit anderen Unternehmen, Menschen und Nationen.» Die Bedeutung von Sicherheit für Stabilität und Fortschritt unterstrich auch Gastredner Bundesrat Martin Pfister. Er sprach von den aktuellen geopolitischen Brüchen als einer sicherheitspolitischen Zäsur.

 

Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter plädierte in einer Welt, die immer unsicherer wird, für den sogenannten Karabinerhaken-Ansatz, also für starke Allianzen und tragfähige Seilschaften. Copyright: HKBB

Allianzen schmieden statt Brücken einreisen

Schneider-Schneiter plädierte für den sogenannten Karabinerhaken-Ansatz: «Eine Seilschaft baut auf gegenseitiges Vertrauen. Man nutzt die Agilität des Einzelnen für mehr Bewegungsfreiheit der Gruppe. Denn jeder Tritt betrifft alle. Jeder Fehltritt genauso.» Dieser Ansatz ist in der Schweiz seit Jahrhunderten ein Erfolgsmodell – das zeige sich etwa bei der Rolle der Schweiz als Brückenbauerin bei Friedenskonferenzen, am Beispiel der sozialen Marktwirtschaft, die als System mit geteilten Risiken und multiplen Chancen funktioniert, oder bei den Bilateralen III, die Unternehmen Zugang zu wichtigen Märkten und Arbeitskräften sichern.

Interessen bündeln, gemeinsam weiterkommen

Seilschaften zu bilden, liegt auch in der DNA der Handelskammer, erläuterte Schneider-Schneiter: «Seit 150 Jahren schmieden wir Allianzen, bündeln Interessen, multiplizieren Stärken, pflegen den Austausch, schaffen Rahmenbedingungen. Seit damals halten wir Unternehmen und Menschen in Bewegung und tun alles erdenklich Mögliche, um gemeinsam sicher weiterzukommen.»

Die Herausforderungen und Themen haben sich zwar verändert, die Anliegen der Wirtschaft bleiben aber dieselben, betonte Martin Dätwyler bei seinem Blick zurück nach vorne: «Die Wirtschaft braucht ein gutes Umfeld mit attraktiven Steuern, effizienten Verkehrswegen, guter Bildung, offenen Märkten und Innovationsfähigkeit. Dafür setzen wir uns ein – damals wie heute.»

Elisabeth Schneider-Schneiter überreichte Bundesrat Martin Pfister symbolisch ein Seil mit Karabinerhaken. Copyright: HKBB

Standort im Fokus – damals wie heute

Dieses Engagement skizzierte Dätwyler anhand einiger Beispiele: So engagierte sich die Handelskammer seit ihrer Gründung für zentrale Infrastrukturen wie die Gotthardbahn, den Autobahnanschluss der Region oder später für die Fusion der Rheinhäfen. Ende des 19. Jahrhunderts machte sie sich für eine eidgenössische Zollordnung stark, setzte sich etwa nach dem Ersten Weltkrieg für den Bau des Zollfreilagers und in Folge für den Staatsvertrag mit der Europäischen Freihandelsassoziation ein. Sie engagierte sich früh für gute Bildung – von der Handelsschule bis zu den Hochschulen. Sie setzte sich für die Gründung der Schweizerischen Nationalbank ein, arbeitete mit Blick auf das Ende des Zweiten Weltkriegs an der AHV mit und forderte in der Hochkonjunktur Steuersenkungen. Für Innovationen unterstützte sie die Schweizer Mustermesse während des Ersten Weltkriegs und lancierte später drei Cluster in den Bereichen Life Sciences, Logistik und ICT.

Direktor Martin Dätwyler warf einen Blick zurück und zeigte Parallelen zur Gegenwart auf. Copyright: HKBB

Kontinuität im Wandel

«Ob effiziente Infrastrukturen oder attraktive Steuern – zu all diesen Standortfaktoren leisten wir auch heute einen Beitrag», bekräftigte Dätwyler. «Etwa, indem wir uns für zusätzliche Freihandelsabkommen und den Bilateralen Weg stark machen, mit der KI-Plattform der Wirtschaft und dem Startup-Förderprogramm Digital Accelerator Basel Innovationen fördern, uns für den Ausbau der Regio S-Bahn und gegen Engpässe im Strassennetz einsetzen, mit einem Themendossier und Vorstosspaket die Berufsbildung stärken, oder in beiden Basel niedrigere Einkommenssteuern fordern.»

Damals wie heute setzt die Handelskammer dabei auf den Dialog und die Zusammenarbeit mit allen Akteurinnen und Akteuren. «Die Seilschaft, die vor 150 Jahren als Basler Handelskammer geknüpft wurde, ist für uns ein klarer Auftrag für die Zukunft. Diesen Auftrag formulieren wir wie folgt: Jetzt erst recht!», betonte Schneider-Schneiter abschliessend.